Etwas Solar für mein Heim

Schon seit längerer Zeit liebäugelte ich mit einem Solar-Balkon-Kraftwerk. Und nun ist es soweit. Ich habe eines installiert.

Darf man das?

In der Schweiz ist man als Kunde eines Stromanbieters dazu berechtigt, bei sich zu Hause eine kleine, mobile Photovoltaikanlage, auch «Plug-&-Play-Photovoltaikanlage» genannt, mit einer Leistung von maximal 600 Watt zu betreiben, die in eine Steckdose eingesteckt werden kann. Du hast richtig gelesen: man spricht von einem bis drei Photovoltaikmodulen, die man direkt in eine Aussensteckdose auf dem Balkon, der Terrasse oder in der Garage einstecken kann. Es ist auch möglich, 3 solcher «steckerfertigen» Photovoltaikmodule in drei verschiedene Steckdosen einzustecken, vorausgesetzt die Gesamtleistung von total 600 Watt wird nicht überschritten.

Ein zentrales Merkmal einer Plug&Play-Solaranlage ist, dass sie keine aufwändige Installation benötigt. Das Einrichten ist so simpel, dass man die Montage selbst übernehmen kann. Man kann die Solarzellen selbst an einer Balkonbrüstung montieren, ohne einen Techniker aufzubieten.

Direkt konsumieren

Neben der einfachen Installation ist für Plug&Play-Solaranlagen aber vor allem typisch, dass sie zuhause einfach an eine Steckdose angeschlossen werden können – wie der Name (plug) schon sagt. Wir sind es gewohnt, dass Strom zuhause nur in eine Richtung fliesst und zwar in unsere eingesteckten Geräte hinein. Elektrizität kann jedoch in beide Richtungen fliessen. Plug&Play-Solaranlagen speisen die gewonnene Energie direkt in den bestehenden, eigenen Stromkreislauf ein und versorgen damit Geräte, die im trauten Heim im Einsatz stehen.

Was bringt es?

Jährlich kann eine Plug-&-Play-Photovoltaikanlage mit einer Leistung von 600 Watt ungefähr 600 kWh Strom produzieren, also in etwa ein Fünftel der Strommenge, die ein durchschnittlicher 2-Personen-Haushalt verbraucht (~2500 kWh pro Jahr) – natürlich unter der Voraussetzung, dass sie gut auf die Sonne ausgerichtet sowie das ganze Jahr über angeschlossen ist.

So sieht meine Stromerzeugung an einem sonnigen April-Tag aus. Über 4 KWh ist nicht schlecht.

Warum sollte man so etwas machen?

Gerade jetzt mit dem dummen Angriff auf die Ukraine sieht man sehr genau, welche Probleme es geben kann, wenn man eine Abhängigkeit von ausländischen Energieträgern hat. In der Schweiz wird Strom zu 58.1% aus Wasserkraft, zu 32.9% aus Kernkraft, zu 2.3% aus fossilen und knapp 6.7% aus neuen erneuerbaren Energien produziert. Sowohl fossile Energieformen als auch das Uran für due Kernkraftwerke bezieht die Schweiz aus dem Ausland. Und genau diese Abhängigkeit sollte man mittelfristig vermeiden. Darum ist jedes Solarpanel wichtig, damit wir in der Schweiz genügend eigene Energie erzeugen können. Mit einem Plug&Play-Balkonkraftwerk leistest du einen wichtigen Beitrag dazu.

Kosten

Da in der Schweiz Solaranlagen erst ab einer Produktionskapazität von 2000 Watt Anspruch auf Fördermassnahmen haben, stellt der Bund keine Gelder für diese Mini-Solaranlagen bereit. Dafür ist die Anschaffung einer Plug&Play-Anlage erschwinglich: Ab 600 Franken ist man dabei. Meine Panels haben 850 Franken gekostet.

Wenn ich den durchschnittlich erzeugten Strom mit den aktuellen Stromtarifen verrechne, sollten die Investitionskosten in 5-6 Jahren amortisiert sein. Und so wie es aussieht, wird Strom in Zukunft noch deutlich teurer werden. Also wird meine Anlage noch schneller amortisiert sein.

Vorschriften müssen eingehalten werden

Für die Installation einer Plug-&-Play-Photovoltaikanlage müssen vier Bestimmungen eingehalten werden:

  1. Die Stromproduktionsleistung darf 600 Watt nicht überschreiten, um jedes Risiko einer Erwärmung der elektrischen Leitungen des Gebäudes zu vermeiden, wenn laufende Geräte bereits viel Strom verbrauchen.
  2. Sie muss eine Konformitätserklärung besitzen: alle Bestandteile müssen die in Artikel 6 NEV (Verordnung über elektrische Niederspannungserzeugnisse) aufgeführten Normen einhalten. Sie muss insbesondere über einen Fehlerstrom-Schutzschalter Typ B verfügen.
  3. Sie muss «mobil» sein, d.h. ohne grossen Aufwand umgestellt werden können.
  4. Sie sollte dem Stromverteiler vor der Inbetriebnahme gemeldet werden. Am besten schickt man dem EW eine Kopie der technischen Merkmale der Anlage zu. Es ist möglich, dass der Stromverteiler besondere Bestimmungen geltend macht, zum Beispiel einen Wechsel des Stromzählers verlangt (bei uns in Wettingen ist das nicht notwendig).

Seriöser Lieferant

Damit dürfte klar sein, dass es sich lohnen kann, die Angebote im Internet aufmerksam zu verfolgen und einen seriösen Verkäufer zu wählen, der die Schweizer Vorschriften kennt. Es ist ebenfalls angebracht, sich vor dem Kauf bei seinem Stromverteiler zu informieren. Ist man Mieter und möchte man sein steckbares Photovoltaikmodul von der Strasse aus gut sichtbar oder auf dem Balkongeländer anbringen, wird empfohlen, bei der Verwaltung oder dem Hauseigentümer eine Genehmigung einzuholen.

Was muss man beim Kauf beachten

Bei der Auswahl einer Plug&Play-Anlage sollte man ein Modell wählen, das den eigenen Bedürfnissen und Sonnenverhältnissen am besten entspricht. Der Verkäufer muss ausserdem zwingend eine sogenannte Konformitätserklärung ausstellen. Diese garantiert, dass die Anlage den Normen der relevanten Verordnungen entspricht. Das Bundesamt für Energie hat eine Übersicht von Anbietern von Solarmodulen für Mieterinnen und Mieter in einer Excel-Tabelle zusammengestellt, die als erste Orientierung dienen kann. Unter dem Register «Mini-Solaranlagen» findet man gute Anbieter von Plug&Play-Solaranlagen. Auch das Merkblatt von EnergieSchweiz zu Solarstrom für Mieterinnen und Mieter bietet einen hilfreichen Einstieg in das Thema (das Merkblatt finden Sie unter Punkt 1)

Bit du Mieter einer Wohnung, kannst du dich bei Energieschweiz noch zusätzlich informieren.

Wo habe ich meine Anlage her?

Ich hatte irgendwie Glück und habe mich für Solarion entschieden. Der Inhaber (Christof) hat mir mein Material nach Hause geliefert und mir einige Tipps für die Installation gegeben (welche ich dann alleine durchgeführt habe). Christof hat das wirklich super erklärt. Normalerweise macht er nur grosse Anlagen. Plug&Play-Anlagen sind für ihn aber ein Hobby. Solltest du dich bei ihm melden, sage ihm unbedingt einen Gruss von mir. Ich habe mich für dieses Modell entschieden.

Hilfe bei Planung und Installation?

Solltest du in der Region Baden-Wettingen wohnen und dir Gedanken zum Kauf einer solchen Plug&Play-Anlage machen, darfst du dich gerne bei mir melden. Ich finde es eine tolle Sache und unterstütze dich gerne bei deinem Vorhaben. Denn: wenn an jedem Balkon eine 600 Watt-Anlage hängen würde, könnte man damit die Leistung eines Schweizer Atomkraftwerks erzeugen. So viel zum Thema, dass wir nicht aus der Strom-Abhängigkeit rauskommen könnten…

Ort der Installation

Eine kleine Photovoltaikanlage kann auf dem Flachdach einer Garage, am Balkongeländer, auf einem Gartenhäuschen oder auf einer Terrasse bzw. einfach direkt im Garten aufgestellt werden. In jedem Fall aber sollten die Module gut befestigt werden, damit sie nicht von Sturmwinden um- oder weggeblasen werden. Und falls Marder in der Gegend vorkommen, ist es sinnvoll, die Verkabelung mit einer Plastikummantelung vor Verbiss zu schützen.

Technik

Eine Plug-&-Play-Photovoltaikanlage besteht im Minimum aus einem Photovoltaikmodul (A), einem Mikro-Wechselrichter (B) – das ist das Kästchen, das den Gleichstrom aus den Solarzellen in Wechselstrom 230V/50Hz umwandelt –, einem Fehlerstrom-Schutzschalter (C) und einem Stecker (D). Fehlerstrom-Schutzschalter und Stecker können kombiniert sein. Je nach Grösse und Leistung der Solarmodule (und ihrer Mikro-Wechselrichter), benötigt man 2 oder 3 Module, um die erlaubte Maximalleistung von 600 Watt zu erreichen.

Schéma d'une installation solaire plug and play

 

Sicherstellen, dass der Stromzähler den Phasenausgleich vornimmt

Es ist wichtig zu wissen, dass der in die Steckdose eingespeiste Solarstrom rein physikalisch betrachtet nur für die Geräte zur Verfügung steht, die sich auf gleichen elektrischen Phase befinden (auf demselben Schutzschalter des elektrischen Sicherungskastens). Der Strom, der im Haushalt nicht direkt verbraucht wird, wird in das öffentliche Stromnetz eingespeist. Die meisten der in der Schweiz installierten Dreiphasen-Stromzähler bilanzieren jedoch den Strom, der auf jeder der 3 Phasen verbraucht oder eingespeist wird (Bilanzierungszähler). Anders gesagt: diese Stromzähler berücksichtigen die Leistung der Plug-&-Play-Photovoltaikanlage auch dann, wenn diese nicht an dieselbe Phase angeschlossen ist wie die Geräte, die Strom verbrauchen.

Tausch des Stromzählers

Wenn hingegen die Photovoltaikanlage insgesamt mehr Strom produziert als im Haushalt verbraucht wird, wird der Überschuss oft nicht berücksichtigt, es sei denn, man besitzt noch einen alten Drehstromzähler, der rückwärts laufen kann (aber nicht alle alten Zähler können rückwärts laufen), oder man ist mit einem saldierenden Zweirichtungszähler (Überschuss/Bezug) ausgestattet: Wenn Du deinem Stromlieferanten deine Plug-&-Play-Installation meldest, kannst du ihn bitten zu bestätigen, dass der installierte Stromzähler die Phasen ausgleicht. Du kannst ihn auch bitten, den aktuell installierten Zähler gegen einen saldierenden Zweirichtungszähler auszutauschen. Mit einem solchen Zähler kannst du deinen Eigenverbrauch besser optimieren, und auch die Solarstrommenge messen, die ins öffentliche Stromnetz eingespeist wird. So wird der Strom finanziell vergütet.

Optimierung der Besonnung

Um die Besonnung maximal auszunutzen, können die Solarmodule je nach Jahreszeit vorteilhaft ausgerichtet werden. Wenn man zwei Photovoltaikmodule besitzt, die beide mit einem Mikro-Wechselrichter ausgestattet sind, kann man sie im Sommer wie ein Spitzdach nach Süden ausgerichtet aufstellen, um die auf- und untergehende Sonne nutzen zu können: die Module werden zwar in der Mittagszeit weniger Strom produzieren, aber die Dauer der Solarstromproduktion ist über den ganzen Tag hinweg verteilt. Meine Module sind Richtung Süd-Südwesten ausgerichtet.

Zudem sollte man den Winkel beachten. Wenn immer möglich wären 30-40 Grad ideal. Aber auch wenn du deine Panels 90 Grad montieren musst, ziehst du immer noch eine gute Leistung aus den Panels.

Etwas Solar für mein Heim – Fakten-Check:

Eine kleine, mobile Plug-&-Play-Photovoltaikanlage ist ideal:

  • wenn die Stromproduktion 600 Watt nicht überschreitet (maximal 2,6 Ampere unter 230 Volt).
  • wenn das gesamte Material über eine Konformitätserklärung verfügt (vom Verkäufer verlangen).
  • wenn sie mit einem Fehlerstrom-Schutzschalter Typ B ausgerüstet ist (Sicherheit durch Erkennung glatter Gleichfehlerströme UND Wechselfehlerströme).
  • wenn der Netzbetreiber vor der Inbetriebnahme informiert wurde.
  • wenn der Hausbesitzer oder die Verwaltung ihre Zustimmung gegeben haben (für sichtbare Solarmodule auf Fassade oder Balkon).
  • wenn die Installation sicher befestigt ist und unempfindlich für Windeinflüsse ist.
  • wenn der Stecker der Anlage in eine Aussensteckdose eingesteckt wird, die den Sicherheitsnormen entspricht (jede Veränderung einer Steckdose muss von einem qualifizierten Elektriker vorgenommen werden).
  • wenn das bzw. die Solarmodule vollständig von der Sonne beschienen werden (ein kleiner Schattenfleck reduziert die Leistung aller Solarzellen des Moduls).
  • wenn das bzw. die Solarmodule von Staub, altem Laub und Vogelkot gereinigt werden, und wenn man auch den Schnee entfernt.
  • wenn man nicht vergisst, Strom zu sparen, hauptsächlich während der Wintermonate.
  • Wenn man nicht vergisst, die Solarmodule vor den Arbeiten an der Elektroinstallation des Gebäudes vom Stromnetz zu trennen – es ist ratsam, eine Warnung in der Nähe des Schaltschranks anzubringen.
Solar

Zwei Solarpanel liefern bis zu 600 Watt in der Stunde

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