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Warum ich mich mehr und mehr von der politischen Welt distanziere
Es gibt viele Gründe, warum ich mich heute kaum noch in der Politik wiederfinde. Einer davon ist die Art und Weise, wie Menschen sich verhalten, wenn es um Reichtum, Macht und kurzfristige Vorteile geht. Ich verstehe einfach nicht, warum so viele Leuten den Reichen hinterherlaufen – als ob diese Menschen ein Vorbild wären, als ob sie für uns alle stellvertretend wüssten, was richtig ist. Doch in Wahrheit profitieren nur sie selbst. Ihre Macht wächst, ihr Einfluss wächst, ihr Vermögen wächst. Und jene, die ihnen nacheifern, die sich an ihnen orientieren, die ihnen applaudieren – diese Menschen haben am Ende absolut nichts davon. Sie bleiben Zuschauer eines Spiels, bei dem sie nicht einmal eingeladen sind, am Tisch Platz zu nehmen.
Die Rolle der Politik in unserem Alltag
Es ist eine Art kollektive Illusion: der Glaube, dass man dem Erfolg näherkommt, wenn man sich an jene klammert, die schon längst an der Spitze stehen. Doch die Spitze ist kein Ort, an dem jemand wartet, um andere mitzuziehen. Sie ist ein Ort der Abschottung. Ein Ort, an dem viele ihre Privilegien bewahren wollen, nicht teilen. Dass so viele Menschen trotzdem hingebungsvoll hinterherlaufen, ist für mich unbegreiflich. Vielleicht ist es Bewunderung. Vielleicht ist es Hoffnung. Vielleicht ist es auch eine Art Verblendung.
Noch schwerer wiegt für mich jedoch, dass offenbar so viele Menschen ihre eigene Brieftasche wichtiger nehmen als die Zukunft ihrer Kinder. Es ist erschreckend, wie oft sich Entscheidungen im Alltag – und leider auch an der Urne – darum drehen, ob man heute ein paar Franken sparen kann. Ob man einen Vorteil hat. Ob man kurzfristig etwas profitiert. Die langfristigen Folgen, die grossen Zusammenhänge, die Konsequenzen für kommende Generationen scheinen für viele weit weg, beinahe irrelevant. Dabei sollten sie das Wichtigste überhaupt sein.
Ja, der Klimawandel ist bekannt. Ja, man liest darüber. Man spricht darüber. Man nickt zustimmend, wenn andere sagen, dass man handeln müsse. Aber sobald es konkret wird, sobald es bedeutet, dass man selbst etwas ändern müsste – das Auto weniger benutzen, bewusster konsumieren, vielleicht sogar auf etwas verzichten –, dann hört man plötzlich die gleichen Sätze: „Das bringt doch nichts.“ „Das sollen erstmal die anderen machen.“ „Ich allein kann ja nichts bewegen.“ Und das Schlimmste: „Das kostet mich zu viel.“
Dieses Denken ist für mich kaum erträglich. Es ist eine Mischung aus Bequemlichkeit und Egoismus, aus Angst und Ignoranz. Ein Festhalten an einer Gegenwart, die uns langsam entgleitet, während wir gleichzeitig die Zukunft verlieren. Ein unglaublich kurzfristiges Denken, das sich wie ein Nebel über unsere Gesellschaft legt. Es ist dieses Denken, das mich am meisten ermüdet – noch mehr als die Politik an sich. Denn Politik könnte nur funktionieren, wenn die Gesellschaft hinter ihr steht. Wenn Menschen bereit sind, nicht nur für sich selbst zu entscheiden, sondern für das grosse Ganze.
Doch genau das scheint immer seltener zu werden. Ich sehe eine Welt, in der Meinungen lauter sind als Fakten, in der Empörung wichtiger geworden ist als Vernunft, in der Menschen sich voneinander entfernen, statt miteinander Lösungen zu suchen. Und inmitten all dieser Entwicklungen frage ich mich immer häufiger, ob mein Engagement, meine politische Arbeit, mein Einsatz überhaupt noch eine Wirkung hätte. Oder ob ich lediglich Energie verschwenden würde, die ich besser in mein eigenes Leben, meine eigene Gesundheit, meine eigenen Werte investiere.
Vielleicht ist es Resignation. Vielleicht ist es Selbstschutz. Vielleicht ist es die Erkenntnis, dass ich mich in einer Welt, die so laut und egoistisch geworden ist, nicht mehr wohlfühle. Jedenfalls habe ich für mich entschieden, einen Schritt zurückzugehen. Politik war ein Teil meines Lebens. Ein langer Teil. Aber jetzt ist es an der Zeit, meinen Fokus zu verändern. Nicht, weil mir die Welt egal wäre – sondern weil ich erkennen musste, dass ich mich selbst nicht verlieren will in einem System, das mir fremd geworden ist.
Und so gehe ich meinen Weg weiter. Klarer. Bewusster. Und fernab von dem politischen Lärm, der mich früher einmal angetrieben hat, heute aber nur noch ermüdet.



