Elektromobilität im internationalen Vergleich?

Die Elektromobilität im internationalen Vergleich kann recht gut beleuchtet werden. Die Mobilität ist in den einzelnen Staaten unterschiedlich weit vorangeschritten – je nach politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen. Doch der Weg ist vorgezeichnet: Immer mehr Menschen werden elektrisch fahren. Die Europäische Union hat entschieden, dass die CO2-Emissionen der Neuwagenflotten bis zum Jahr 2030 um 35 Prozent reduziert werden müssen. Dies kann nur gelingen, wenn die Hersteller verstärkt in die Produktion elektrisch betriebener Fahrzeuge investieren. Der Auftrag ist eindeutig, jetzt kommt es auf die Umsetzung an – und die erfolgt keineswegs geradlinig. Die Entwicklung verläuft regional sehr unterschiedlich, man kann nicht von einem weltweit einheitlichen E-Auto-Markt sprechen. Fakt ist: Ausgehend von einem niedrigen Niveau wächst die Elektromobilität. Bis Ende 2018 ist der Bestand an Elektroautos weltweit auf 5,6 Millionen gestiegen. Im Vergleich zum Vorjahr entspricht dies einem Plus von rund 74 Prozent. In absoluten Zahlen ist China das Mass aller Dinge. Mit über 1,2 Millionen verkauften Elektroautos – dies entspricht einer Verdopplung gegenüber dem Vorjahr – wurde 2018 weltweit mehr als jedes zweite E-Auto im Reich der Mitte zugelassen. Auch in den USA hat sich die Nachfrage nach E-Fahrzeugen im Jahr 2018 deutlich erhöht: 356.000 Neuzulassungen bedeuten ein Plus von 84 Prozent. Mehr als jedes zweite neue E-Fahrzeug in den USA wurde in Kalifornien zugelassen. Der Westküstenstaat hat seinen Status als Pionier der E-Mobilität abermals bestätigt. In Europa ist die Zahl der E-Autos ebenfalls weiter gewachsen — wenngleich unterschiedlich dynamisch.

Schweiz

Roadmap Elektromobilität 2020

Im Jahr 2020 wurden in der Schweiz 336.841 Motorfahrzeuge neu in Verkehr gesetzt. Dies entspricht einem Rückgang von 17,8 Prozent gegenüber 2019 und dem niedrigsten Wert seit 24 Jahren. Die Neuimmatrikulationen von Personenwagen sanken sogar um 23,7 Prozent, teilte das Bundesamt für Statistik (BFS) mit. Trotz dieses historischen Einbruchs stieg die Anzahl Neuzulassungen bei den Elektroautos innerhalb eines Jahres um 49,8 Prozent auf 19.765 und bei den Hybridautos um 78,9 Prozent auf 47.196 Einheiten. Werden die Elektro- und die aufladbaren Hybridautos (“Plug-in-Hybride”) zusammengezählt, wurden 2020 insgesamt 34.204 sogenannte «Steckerfahrzeuge» neu in Verkehr gesetzt, was einem Anteil von 14,3 Prozent an allen neuen Personenwagen entspricht. Damit konnte der Zielwert von 15 Prozent aus der «Roadmap Elektromobilität 2022» bereits im Jahr 2020 nahezu erreicht werden, hiess es vom BFS.

Aktuelle Zahlen

Elektrofahrzeuge (Summe von BEV, PHEV und FCEV) waren Ende 2020 bereits für knapp 2% der gesamtschweizerischen Fahrleistung aller Personenwagen verantwortlich. Ende 2019 lag der Anteil der Elektrofahrzeuge an der Fahrleistung noch bei 1%. Der Marktanteil der reinen batterieelektrischen Autos (BEV) am Neuwagenmarkt hat sich 2020 gegenüber 2019 wie bereits im Vorjahr verdoppelt auf aktuell über 8%. Im Jahr 2020 legten auch die Plug-in-Hybride (PHEV) kräftig zu und kommen auf einen Anteil am Neuwagenmarkt von knapp 6% (gegenüber 1% im Vorjahr). Im Jahr 2020 wurden in der Schweiz lediglich ein paar dutzend Wasserstoff-Brennstoffzellenfahrzeuge (FCEV) neu zugelas- sen. Ihr Marktanteil hat sich gegenüber dem Vorjahr zwar verdoppelt, er bleibt aber mit 0.02% noch unbedeutend.

Die weitere Zunahme des Marktanteils der Elektrofahrzeuge in den nächsten Jahren hängt ab von der Verbreiterung des Modellangebots, vom weiteren Ausbau der Ladeinfrastruktur namentlich bei gemieteten Parkplätzen, und von der Politik. Die Verschärfung der Emissionsvorschriften für Neuwagen haben einen unmittelbaren Einfluss auf den Marktanteil elektrischer Antriebe. Um sich trotz dieser Unsicherheiten orientieren zu können, stellt EBP mit dem Update 2021 erneut drei Szenarien zur künftigen Entwicklung der Elektromobilität in der Schweiz zur Verfügung.

Die Schweiz befindet sich bei der Elektromobilität europäisch auf Rang 6, deutlich hinter den Spitzenreitern Norwegen, Island, Schweden und Niederlande. Gegenüber dem Vorjahr hat die Elektromobilität in ganz Europa deutlich Markanteile gewonnen. Zu den Aufsteigern des Jahres gehören Dänemark und Finnland. Sie lagen im letzten Jahr bezüglich Marktanteile noch hinter der Schweiz. 2020 stieg der Elektroanteil in diesen Ländern auf 16, respektive 18%. In Norwegen waren 2020 bereits drei von vier neuzugelassenen Personenwagen elektrisch.

Norwegen

Gilt als Vorreiter der Elektromobilität in der EU und hat eine Quote von 60 Prozent vollelektrisch angetriebener Autos, und weiterer 10 Prozent mit Plug-in-Hybride. Wie das gelang? Kurz gesagt: mit Geld. Käufer von Elektroautos sind bereits seit 1990 von der Kfz-Kaufsteuer befreit, auch die Mehrwertsteuer wird beim E-Autokauf nicht mehr erhoben. Darüber hinaus können Fahrerinnen und Fahrer von Elektroautos kostenlos Fähren benutzen und auf ausgewiesenen städtischen Parkplätzen parken – und sie müssen keine Strassenmaut entrichten. Besonderes Plus in Norwegen: Dort stammen schon jetzt 95 Prozent des Stroms aus Wasserkraftwerken, die Elektromobilität ist damit weitgehend emissionsfrei – vom Antrieb des E-Autos bis zur Erzeugung des hierzu nötigen Stroms.

Holland

Holland hat beim Rennen um die Elektromobilität in Städten und Kommunen vergleichsweise früh auf eine dichte Ladeinfrastruktur gesetzt. Umso einfacher, da sich die Netzbetreiber zügig auf einen technischen Standard für den Anschluss von Ladesäulen an das Verteilnetz einigen konnten. Anreiz für Verbraucher: Je weniger CO2 ein Auto in den Niederlanden ausstösst, desto weniger KfZ-Steuern fallen an – und Elektroautos fahren bis auf Weiteres steuerfrei. Steuervergünstigungen für Plug-In-Hybride wurden nach übergrossen Marktverwerfungen allerdings wieder zurückgenommen.

Grossbritannien

Auch in Grossbritannien wird auf pekuniäre Anreize gesetzt. Wer ein E-Auto kauft, kann dafür einen Zuschuss von bis zu 3.500 britischen Pfund (rund 3.880 Euro) bekommen. Private Ladesäulen für Plug-In-Autos werden mit bis zu 500 Pfund (rund 555 Euro) vom Staat gefördert. Die traditionell teure Londoner Innenstadt ist für die Fahrerinnen und Fahrer emissionsfreier Autos zumindest bis ins Jahr 2025 etwas billiger: Die Stadt verzichtet auf die sonst fälligen Mautkosten. Außerdem will die britische Regierung bis 2022 ein Viertel ihrer Autoflotte elektrifizieren, der Verkauf von Dieseln und Benzinern soll ab 2040 komplett verboten werden. Inwieweit der Brexit sich auf diese derzeit noch aktuellen Pläne auswirkt, ist allerdings abzuwarten.

Frankreich

Frankreich will bis 2040 den Verkauf von Benzinern und Dieseln stoppen. 2019 wurde die Zahlung von Abwrackprämien an den Kauf eines E-Autos gekoppelt. Eine europäische Vorreiterrolle nehmen derzeit die französischen Automobilkonzerne ein: Von den 66 aktuell angebotenen Modellen sind bereits zehn elektrisch  – Poleposition für Peugeot, Renault und Co.

Schweden

Schweden hat die Einführung von Elektroautos zunächst mit einer fünfjährigen Befreiung von der Kraftfahrzeugsteuer subventioniert. Seit dem 1. Januar 2020 gilt hier ein Bonus-Malus-System:  Bis zu 5.700 Euro Bonuszahlungen sind für Käufer möglich, wenn die CO2-Emissionen ihrer Neuwagen mindestens weniger als 60 Gramm pro Kilometer betragen. Analog dazu müssen für Fahrzeuge mit mehr als 95 Gramm pro Kilometer als Malus höhere Steuern entrichtet werden.

Internationaler Vergleich

Marktanteil der Steckerfahrzeuge am Neuwagenmarkt der Personenwagen in aus- gewählten europäischen Ländern im Jahr 2019. Datenquelle: ACEA 2021.

Im europäischen Vergleich nimmt die Schweiz damit den sechsten Platz ein, wie eine Auswertung des CAR-Centers der Uni Duisburg-Essen (D) zeigt. Beim Marktanteil (Zeitraum Januar bis September 2020) mit grossem Abstand an der Spitze steht Norwegen mit einer Elektroquote von 70,8 Prozent. Kein Wunder: Die Nordländer pushen Verkäufe von E-Autos seit Jahren mit hohen staatlichen Subventionen. Auf den weiteren Rängen folgen Schweden (27,9 Prozent), Finnland (16,7 Prozent), die Niederlande (15,8 Prozent) und Dänemark (13,0 Prozent). Die deutschsprachigen Nachbarn Deutschland und Österreich landen mit 10,0 beziehungsweise 7,4 Prozent klar hinter der Schweiz.

Beim Vergleich von 28 EU-Länder plus Norwegen und Schweiz mit dem bisherigen Elektro-Leader China zeigt sich, dass Europa das Reich der Mitte punkto absoluter Zahlen und auch E-Marktanteil 2020 überholen wird. Bis Ende September lag der E-Anteil auf dem alten Kontinent mit fast 770’000 verkauften Autos bei neun Prozent. Allein 350’000 davon waren Plug-in-Hybride, wobei Deutschland bei diesem Antrieb die klare Spitzenposition (105’000 Autos) innehat. China hingegen kommt mit 662’000 verkauften Stromern lediglich auf einen Marktanteil von 3,9 Prozent – und hinkt damit seinen selbstgesteckten Zielen massiv hinterher.

Denn auch die chinesische Staatsmacht hatte sich für 2020 dasselbe Ziel wie die Schweiz gesteckt: zehn Prozent Steckerfahrzeuge. Die Zentralregierung in Peking hat mehrfach betont, dass mit der Bekämpfung der Corona-Rezession der Fokus stärker auf Verbrenner-Fahrzeuge gelegt wird, da die Industrie hier lieferfähiger ist. Das langfristige Ziel Pekings, den E-Anteil an Neuwagen bis ins Jahr 2025 auf 20 Prozent, sprich fünf Millionen E-Autos, zu erhöhen, rückt damit allerdings in recht weite Ferne.

Verglichen mit Chinas globalem Gegenspieler USA steht das Reich der Mitte aber gut da: Im Land der unbegrenzten Möglichkeiten finden E-Fahrzeuge bei den Pick-up-Truck-verwöhnten Kunden nur begrenzt Anklang: 245’000 Steckerfahrzeuge wurden 2020 in Amerika ausgeliefert – 196’000 davon stammen vom US-Unternehmen Tesla. Die meisten E-Autos findet man in Kalifornien.

Anzahl von Elektroautos weltweit von 2012 bis 2020. Quelle: Statista 2021

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