Aktualisiert vor 5 Monaten von

CB-Funk läuft auf dem 11-Meter-Band. Und genau auf diesen Frequenzen hat es auch ganz viele Nicht-Funkgeräte, welche irgendwelche «Geräusche» von sich geben (Strahlungswellen). Natürlich merkt man das nur als Funker, weil wir diese Strahlungswellen halt durch die Antenne auf dem Funk empfangen «können» – oder eher «müssen». Die anderen Leute, welche solche Störquellen im Einsatz haben, hören natürlich nichts davon. Die wissen nicht einmal, dass sie mit solchen Geräten dem Funker die Weissglut ins Gesicht treiben.

PLC sind des Teufels

Die Strahlungsgeräusche sind manchmal so stark, dass man auf dem Funkgerät ausser Rauschen kaum mehr etwas Vernünftiges empfangen kann. Solche Plagegeister sind häufig PLC (Powerline), welche Internet über das Stromnetz leiten. Eigentlich eine hübsche Sache, aber extrem Störanfällig. Nicht nur für Funker, sondern die ganze Technik selber. Solche PLC erkennt man auf dem Funk sehr gut an der Art der Störung. Hier mal ein Beispiel «meines Weissglut-Treibers».

Die Spitzen welche auf S9 ausstrahlen, kamen genau von einem solchen PLC. Hässlich, nicht? Und ihr seht auch, dass die Grundlast generell schon recht hoch ist.

Bei mir sieht die Grundlast in etwa so aus

  • 17 Uhr bis 23 Uhr (S6+)
  • 23 Uhr bis 05:30 Uhr ( abfallend bis auf S2-3)
  • 05:30 Uhr bis 8 Uhr (wieder ansteigend auf S4)
  • 8 Uhr bis 17 Uhr (ziemlich genau S5-6)

Privathaushalte sind meistens «Schuld»

In meiner Gegend hat es keine Industrie und keine Büros. Der «Lärm» kommt also aus den Privathaushalten und ggf auch noch von einem nahe liegenden Restaurant. Natürlich könnte auch die Strassenbeleuchtung ein Problem sein. Wir haben aber immer noch Verdampfer-Lampen und keine LED. Denn so wie ich erfahren habe, können LED-Strassenlampen grosse Störer sein. Generell LED-Beleuchtung. Ebenfalls grosses Störpotential haben die immer stärker aufkommenden Solaranlagen. Mir graut schon jetzt davor…

Nun denn. Was soll man da machen?

Zuerst habe ich die CB-Funker-Gemeinde genervt und das Thema bei jedem irgendwie angesprochen. Doch die waren genauso genervt wie ich. Einige auch nicht mehr – denen ist es bereits egal.  Die haben sich damit abgefunden. Natürlich bekam ich von allen netten CB-Funker-Kollegen dennoch breit gestreute Tipps. Und das wären in etwa:

  • PLC
  • das Netzteil des CB-Funkgerätes
  • LED-Lampen
  • alte Fernseher
  • BabyPhones
  • Überwachungskameras
  • Wetterstationen
  • schlecht abgestimmte Antennen
  • Netzteile elektronischer Geräte wie zb. Lampen, Router, Radios, etc.
  • Heizung
  • und vieles mehr

Alles Dinge, welche ich selber auch im Einsatz habe.

Selbst-Check

Ich habe alle Netzteile ausgesteckt. Ich habe meine Wetterstation ausser Betrieb genommen. Ich habe alle Lampen ausgeschaltet. Nichts hat geholfen. Darum die brachiale Tour: Sicherungen raus und alles Stromlos machen. Darum habe ich mir zuerst einen externen Bleiakku organisiert. Den hätte ich eh für künftiges «Obergünstig» kaufen müssen. Zuhause habe ich dann das Funkgerät an den Akku gehängt und alle Sicherungen in meiner Wohnung rausgeschraubt. Es war zappenduster. Nur meine Stirnlampe brachte etwas Licht. So etwas sollte man auch nicht machen, wenn es draussen dunkel ist. Ok, im Dezember ist es ja gefühlt immer dunkel. Doch die Störung war – immer noch vorhanden. Wenigstens eine Erkenntnis: ich bin unschuldig.

Als nächstes habe ich mal im Haus bei den Nachbarn nachgefragt. In meinem Haus hat es 5 Wohnungen. Ich wohne zuoberst. Doch niemand hat PLC im Einsatz. Und das ganze Haus stromlos machen, das wollte ich denen nicht zumuten. Also was konnte ich noch machen? Es gab nur eines: ein Spezialist musste her.

BAKOM

Ich habe gegoogelt und bin auf die Website des BAKOM gestossen. Bundesamt für Kommunikation. Und was lese ich da?

Als BenutzerIn eines Funkgerätes sind Sie in der Regel durch die Frequenzplanung und die Frequenzzuteilung des BAKOM gut gegen Störungen geschützt. Sollte der Funkverkehr trotzdem einmal leiden, bitten wir um Ihre Nachricht.

Und darunter dieser Link zum Kontaktformular.

Ich musste nicht zweimal nachdenken und habe das Formular ausgefüllt.

Schnell wie die Feuerwehr

Zwei Tage später klingelte mein Telefon. «Grüezi, hier ist Herr xyz vom Bundesamt für Kommunikation. Sie haben eine Störungsmeldung eingegeben. Erzählen sie mir doch mal, um was es genau geht…». Und das habe ich!

Erster Schritt:

Ich sende dem BAKOM genau jenes Filmchen, welches ihr weiter oben anschauen könnt. Im wesentlichen geht es dem BAKOM nur um den Ton. Denn der Ton macht die Musik. Zwei Tage später klingelt es wieder. Anhand des Filmchens könne man es schon auf einige Möglichkeiten einschränken.

Zweiter Schritt:

Ich führe ein Tagebuch, wann genau diese Störungen auftreten. Das habe ich natürlich bereits gemacht und konnte gleich ein paar Daten an das BAKOM schicken.

Meine Feststellung: die groben Störungen kommen immer ab ca. 18:30 Uhr und dauern bis etwa 23 Uhr oder 23:30 Uhr an. Am Sonntag sind die Störungen auch am Tag vorhanden.

Dritter Schritt:

Ich spreche mit dem BAKOM ab, dass ich das Tagebuch auch noch über die Weihnachtszeit führe, damit wir noch mehr Daten haben, wenn die Leute vermehrt Zuhause sind.

Dritter Schritt wird ausgelassen:

Doch soweit kommt es nicht. Am 23. Dezember klingelt mein Telefon. Sie wären gerade in der Gegend auf «Tour» und würden gerne um 18:30 Uhr schnell bei mir vorbeikommen und sich das Anschauen kommen. Ok. Machen wir so! Um 18 Uhr klingelt das Telefon erneut. «Wo können wir unser Auto hinstellen?» …. die sind schon da….ich: «auf dem Besucher-PP gleich neben dem Haus.». Ok. Man würde aber zuerst noch etwas im Auto sitzen bleiben und «beobachten». «Ok…».

Murphy’s Law

18:30 Uhr schaue ich gebannt auf mein CB-Funkgerät. Und die Störungen kommen nicht. Um 18:40 Uhr klingelt es an der Tür. Die beiden Herren vom BAKOM stehen davor. Wir gehen zum Funkgerät, welches irgendwie gerade keine Lust hat, Störungen anzuzeigen. Wir verabschieden uns. Ich bin frustriert. Sie sagen: « wir sind noch einen Moment im Auto draussen, müssen noch einen Rapport schreiben». Ich soll anrufen, falls doch noch etwas losgeht. Es ist 18:55 Uhr. Die Störungen brechen los. Ich freue mich – wegen Störungen… ich telefoniere… und die BAKOM-Leute: «wir haben es bereits bemerkt» Sie würden nun mal «ausschwärmen»…

Ich sitze vor meinem CB-Funkgerät und beobachte die Störungen. Keine Ahnung was das BAKOM wirklich macht. Sind die überhaupt noch da? Im Treppenhaus sind sie nicht. Ich prüfen den Parkplatz. Ja, das Auto steht noch da. Ich gehe wieder zum Funkgerät. Dann plötzlich um etwa 19:20 Uhr: die Störungen sind weg. Ich bin etwas verwirrt. Dann klingelt es. Die BAKOM-Herren. «Haben sie noch Störungen auf dem Funkgerät?». Ich antworte mit: «Nein, die sind weg…». «OK», sagt der Bakömler, «dann haben wir den Störenfried gefunden. Es ist ein PLC-Gerät in einem Haus in der Umgebung. Die Bewohner dort haben eine Art von Provisorium gebastelt. Eigentlich wollten sie schon lange Leitungen ziehen lassen. Man habe mit den Bewohnern gesprochen. Sie haben eingewilligt, die Leitungen in den kommenden Wochen durch einen Fachmann verlegen zu lassen. Bis dahin würden sie das PLC aber noch weiter nutzen. Es wäre unverhältnismässig, jetzt über die Feiertage das zu verbieten (die gucken TV darüber)». Ich sage: « ja klar, ist mir recht so. Die Aussicht, dass es irgendwann aufhört, reicht mir schon. Die sollen nur weiterhin TV gucken und es dann einfach mal machen lassen». Ich bin ja nicht herzlos.

Ruhe kehrt ein – Endgültig

Am 30.12. war plötzlich Ruhe auf dem Funk. Das Telefon klingelt. Der BAKOM-Herr ist dran. «Haben sie etwas bemerkt?». «Ja, die Störungen sind an den letzten beiden Tagen nicht aufgetreten». Er hat mir erklärt, dass der Elektriker am 28. bei diesem Haushalt vorbeigekommen wäre und nun das PLC nicht mehr benötigt würde. Dieser Haushalt musste dem BAKOM Rückmeldung geben, dass die Arbeiten erledigt wurden.

WOW: da soll nochmal einer über das BAKOM lästern. Diese Leute sind SPITZE!

Danke, lieber Herr xyz vom BAKOM. Wenn man überall einen solchen Service bekommen würde, wäre die Welt gerettet. Meine ist es im Moment – Corona hin, Corona her.

Zusatzinformationen

Inklusive meiner Meldung haben sich 2020 genau drei CB-Funker wegen Störungen beim BAKOM gemeldet. Viele jammern, aber die wenigsten unternehmen scheinbar etwas dagegen. Und mir wurde auch noch gesagt, dass man kürzlich bei einem anderen Fall einen anderen Störenfried aufgetrieben habe: eine LED-Strassenlaterne, welche 30 Kilometer entfernt stand. Echt Leute, ich hätte richtig Lust für das BAKOM zu arbeiten. Das macht ja richtig Spass, diese Schnitzeljagd.

Und wer selber mal Jagd machen möchte: Hier eine Liste jener Geräte, welche gemäss BAKOM den Funk stören und Verboten sind.

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